- Google hat versehentlich Aluminium OS, ein Android-System der Desktop-Klasse für Laptops, veröffentlicht.
- Zu den Funktionen gehören eine höhere Statusleiste, eine Taskleiste im Windows-Stil, Multitasking mit geteiltem Bildschirm und mehrere Chrome-Fenster.
- Google könnte auf preisgünstige Laptops und Cloud-basierte PCs abzielen und damit Windows 11 direkt herausfordern.
- Microsofts Bemühungen, die Schwachstellen von Windows 11 zu beheben, könnten auch ein defensiver Schritt gegen das Aluminium-Betriebssystem sein.
Google hat versehentlich den bisher deutlichsten Einblick in seine lange erwartete Desktop-Version von Android gewährt, die intern als „Aluminium OS“ bekannt ist. Ein kürzlich veröffentlichter Fehlerbericht im Chromium Issue Tracker (via 9to5Google ) enthüllte kurz Bildschirmaufnahmen einer Windows-ähnlichen Android-Oberfläche, die auf Chromebook-Hardware lief, und bestätigte damit, dass Google aktiv an einer Android-Benutzeroberfläche der Desktop-Klasse arbeitet.
Das Leck entstand durch einen Chromium-Fehlerbericht zu Chrome-Inkognito-Tabs. Dem Bericht waren zwei kurze Bildschirmaufnahmen beigefügt, die eine unveröffentlichte Desktop-Umgebung auf einem HP Elite Dragonfly 13.5 Chromebook mit einem Intel Core Alder Lake-U Prozessor der 12. Generation zeigten. Der Bericht wurde später eingeschränkt, doch die Aufnahmen wurden gesichert und öffentlich geteilt.
Die im Video gezeigte interne Version trägt die Bezeichnung ALOS ZL1A.260119.001.A1 und weist auf Android 16 hin. Google scheint vorhandene Chromebook-Hardware als Entwicklungsplattform zu nutzen, was angesichts der weitgehend gemeinsamen Architektur von ChromeOS und Android nicht überraschend ist. Dies deutet stark darauf hin, dass Googles Entwicklung eines Desktop-Betriebssystems die Experimentierphase längst hinter sich gelassen hat und sich in einer intensiven internen Testphase befindet.
Eine der auffälligsten Änderungen ist die neu gestaltete Statusleiste, die deutlich höher ist als auf Smartphones und Tablets. Sie scheint speziell für große Bildschirme und Desktop-Workflows entwickelt worden zu sein. Das Layout ähnelt zwar der mobilen Benutzeroberfläche, ist aber für die Desktop-Nutzung skaliert und angeordnet. Einige Beobachter haben die anklickbaren Symbole der Statusleiste mit macOS verglichen, obwohl das Design weiterhin eindeutig Android-typisch ist.
Während sich die Statusleiste weiterentwickelt hat, ist die Taskleiste im Vergleich zu aktuellen Android-Implementierungen für große Bildschirme weitgehend unverändert geblieben. Sie befindet sich weiterhin am unteren Bildschirmrand und verfügt über eine zentrierte Startschaltfläche, die der visuellen Anordnung von Windows 11 entspricht.
Der Leak enthüllt jedoch subtile Verbesserungen der Desktop-Oberfläche, darunter einen neu gestalteten Mauszeiger mit sichtbarem Ende für präziseres Tracking, optimiertes Fenster-Snapping und Split-Screen-Multitasking sowie die Möglichkeit, mehrere Chrome-Fenster gleichzeitig zu öffnen. Die Fenstersteuerung befindet sich oben rechts und ähnelt stark der von ChromeOS mit Schaltflächen zum Minimieren, Vollbildmodus und Schließen.
Das Leck bestärkt die Spekulationen, dass Google Aluminium OS als Konkurrenten im Markt für günstige Laptops und Cloud-basierte Computer positioniert, einem Bereich, der lange von Windows und Chromebooks dominiert wurde.
Windows ist nach wie vor das weltweit meistgenutzte Desktop-Betriebssystem. Microsoft gab kürzlich bekannt, dass Windows 11 die Marke von einer Milliarde Nutzern überschritten hat. Berichten zufolge hat sich das Nutzerwachstum jedoch verlangsamt, und Google scheint bereit zu sein, diese Chance mit einer schlankeren, auf Android basierenden Alternative zu nutzen.
Vor diesem Hintergrund dürfte Microsofts jüngstes Eingeständnis, dass langjährige Schwachstellen von Windows 11 behoben werden müssen , kein Zufall sein. Nutzerfeedback, Bedenken hinsichtlich der Zuverlässigkeit und die langsamere Verbreitung sind zwar offensichtliche Faktoren, doch das Aufkommen von Aluminium OS stellt einen weiteren potenziellen Druckpunkt dar.
Eine schlankere, Android-basierte Desktop-Plattform, optimiert für Multitasking, Erweiterungen und KI-gestützte Arbeitsabläufe, könnte den Markt für Einsteiger-Laptops und Cloud-PCs angreifen. Windows steht in diesem Segment bereits im Wettbewerb mit Chromebooks. Daher könnte Microsofts verstärkter Fokus auf Stabilität, Leistung und grundlegende Plattformverbesserungen auch darauf abzielen, Windows 11 für die neue Generation von Desktop-Konkurrenten zu stärken.
Ähnlich wie Microsoft Copilot tief in Windows 11 integriert hat, wird erwartet, dass Google Gemini direkt in Aluminium OS einbindet. Das Gemini-Symbol in der Statusleiste deutet darauf hin, dass KI-Unterstützung ein zentraler Bestandteil der Plattform und nicht nur eine optionale Erweiterung sein wird.
Sollte dieses Leck repräsentativ für Googles internen Fortschritt sein, ist die Transformation von Android auf Desktop-Computer keine Theorie mehr. Die Plattform wirkt ausgereift, funktional und weit über das Konzeptstadium hinaus, was auf einen möglichen öffentlichen Start im Jahr 2026 hindeutet.
Für Microsoft könnte dies die erste ernstzunehmende Android-basierte Desktop-Alternative darstellen, die sich direkt an Windows-Laptops und nicht an Tablets oder Smartphones richtet. Ob Aluminium OS sich durchsetzen kann, hängt von der App-Kompatibilität, der Leistung und davon ab, wie gut Google die Nutzer davon überzeugen kann, dass Android auf den Desktop gehört.