Bevor die Winterräder im Herbst 2026 ans Auto kommen, lohnt sich ein kurzer Reifencheck. Entscheidend sind nicht nur die gesetzliche Mindestprofiltiefe, sondern auch das tatsächliche Restprofil, das Reifenalter, sichtbare Schäden und die richtige Winterkennzeichnung. Wer diese Punkte vor dem Werkstatttermin prüft, erkennt rechtzeitig, ob der vorhandene Satz noch für eine weitere Saison taugt oder ob Ersatz sinnvoll ist.
Für Deutschland gilt weiterhin eine situative Winterreifenpflicht: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte darf ein Pkw grundsätzlich nur gefahren werden, wenn alle Räder die Anforderungen an Reifen für winterliche Wetterverhältnisse erfüllen. Maßgeblich ist das Alpine-Symbol, also das Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Die frühere Übergangsregel für reine M+S-Reifen ist seit dem 1. Oktober 2024 beendet. Das ergibt sich aus § 2 Abs. 3a StVO in Verbindung mit § 36 StVZO.
Was Sie vor der Prüfung wissen sollten
Für Pkw-Reifen schreibt § 36 StVZO eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern im Hauptprofil vor. Das Hauptprofil umfasst die breiten Profilrillen im mittleren Bereich der Lauffläche. Rechtlich ist ein Winterreifen mit 1,6 Millimetern also nicht allein wegen des Profils unzulässig. Für die Praxis ist diese Grenze jedoch sehr knapp.
Der ADAC empfiehlt 2026, Winterreifen bereits bei weniger als 4 Millimetern Restprofil zu ersetzen. In seinem aktuellen Beitrag zur Profiltiefe verweist der Club darauf, dass die Leistungsfähigkeit besonders auf Nässe, Schnee und bei Aquaplaning mit abnehmendem Profil deutlich nachlässt. Auch die ADAC-Untersuchung vom 8. September 2026 zu abgefahrenen Reifen bestätigt den deutlichen Einfluss der Profiltiefe.
| Prüfpunkt | Was gilt im Herbst 2026? | Praktische Konsequenz |
| Gesetzliches Profil | Mindestens 1,6 mm im Hauptprofil | Unter 1,6 mm nicht weiterfahren; Reifen ersetzen |
| Sicherheitsorientierter Richtwert | ADAC empfiehlt für Winterreifen mindestens 4 mm | Unter 4 mm Ersatz vor der Wintersaison ernsthaft einplanen |
| Winterkennzeichnung | Alpine-Symbol erforderlich, wenn die situative Winterreifenpflicht greift | Reine M+S-Kennzeichnung reicht seit Oktober 2024 nicht mehr |
| Reifenalter | Keine allgemeine gesetzliche Höchstaltersgrenze für Pkw-Reifen | DOT-Code lesen und ältere Reifen besonders kritisch prüfen |
| Schäden | Risse, Beulen, Schnitte oder Verformungen sind unabhängig vom Profil relevant | Im Zweifel nicht montieren, sondern fachlich prüfen lassen |
Schritt 1: Profiltiefe richtig messen
Am zuverlässigsten ist ein einfacher Profiltiefenmesser. Messen Sie nicht nur an einer einzigen Stelle. Setzen Sie das Messgerät in mehreren Hauptprofilrillen an und prüfen Sie verschiedene Stellen über den Umfang des Reifens. Entscheidend ist der niedrigste gefundene Wert, denn Reifen können ungleichmäßig verschleißen.
Bildunterschrift: Die Profiltiefe wird in einer breiten Hauptrille gemessen. Für eine belastbare Einschätzung sollten mehrere Stellen des Reifens geprüft werden.
Wenn Sie beispielsweise 4,7 mm, 4,4 mm und an einer Stelle nur 3,8 mm messen, sollten Sie nicht mit 4,4 mm „im Durchschnitt“ rechnen. Der niedrigste Wert zeigt, dass der Reifen bereits in einen Bereich kommt, in dem der ADAC für Winterreifen einen Austausch empfiehlt.
Eine Münze kann als grobe Orientierung dienen, ersetzt aber kein Messgerät. Wer vor einer ganzen Wintersaison entscheiden möchte, ob ein Satz noch genügt, fährt mit einem Profiltiefenmesser genauer.
Ungleichmäßigen Verschleiß nicht übersehen
Ist die Mitte deutlich stärker abgefahren als die Schultern, kann falscher Luftdruck eine Ursache sein. Ist nur eine Schulter betroffen, kommen unter anderem Achsgeometrie oder Fahrwerksprobleme infrage. Solche Muster sollten nicht nur als „weniger Profil“ betrachtet werden: Sie können ein Hinweis sein, dass das Fahrzeug geprüft werden sollte.
Schritt 2: DOT-Code lesen und Reifenalter einordnen
Das Produktionsdatum steht als vierstelliger Code auf der Reifenflanke, meist im Umfeld der DOT-Kennzeichnung. Die ersten beiden Ziffern stehen für die Kalenderwoche, die letzten beiden für das Jahr. 3623 bedeutet beispielsweise: hergestellt in der 36. Kalenderwoche 2023.
Bildunterschrift: Der vierstellige Datencode 3623 steht beispielhaft für die 36. Produktionswoche des Jahres 2023.
Wichtig: Das Herstellungsdatum ist keine gesetzliche Ablaufmarke. Für Pkw-Reifen gibt es in Deutschland keine allgemeine Vorschrift, nach der ein Reifen allein wegen seines Alters nach einer festen Zahl von Jahren automatisch unzulässig wäre. Alterung hängt auch von Nutzung, Wärme, UV-Strahlung, Lagerung, Luftdruck und mechanischer Beanspruchung ab.
Für die Praxis gibt es deshalb unterschiedliche Sicherheitsleitlinien. Der ADAC nennt in seinem im Mai 2026 aktualisierten Ratgeber für Winterreifen eine maximale Nutzungsdauer von etwa acht Jahren als Empfehlung. In saisonalen Hinweisen weist der Club zugleich darauf hin, dass die Gummimischung schon nach ungefähr sechs Jahren merklich verhärten kann. Reifen ab diesem Alter verdienen daher eine besonders kritische Prüfung, ohne dass „sechs Jahre“ eine gesetzliche starre Grenze wären.
Auch Hersteller formulieren eigene Empfehlungen. Michelin empfiehlt ab fünf Jahren Nutzung mindestens eine jährliche fachliche Prüfung und vorsorglichen Ersatz spätestens zehn Jahre nach dem Herstellungsdatum. Solche Herstellerangaben ersetzen nicht die Zustandsprüfung am konkreten Reifen, zeigen aber, warum ein alter Reifen trotz gutem Profil nicht automatisch „wie neu“ ist.
Schritt 3: Lauffläche und Seitenwände auf Schäden prüfen
Drehen Sie den Reifen langsam und schauen Sie die gesamte Lauffläche sowie beide Seitenwände an. Suchen Sie nach Schnitten, Rissen, Ausbeulungen, Fremdkörpern, Verformungen und auffällig abgefahrenen Bereichen. Eine Beule an der Seitenwand ist kein kosmetisches Problem; sie kann auf eine Schädigung der inneren Struktur hindeuten.
Bildunterschrift: Neben der Profiltiefe gehören Lauffläche, Schulter und Seitenwand zur Sichtkontrolle vor der Montage.
Bei tiefen Schnitten, sichtbarem Gewebe, deutlichen Beulen oder Verformungen sollten Sie den Reifen nicht einfach montieren. Lassen Sie ihn von einem Reifenfachbetrieb beurteilen. Auch ein scheinbar kleiner Schaden kann innen größer sein, als er von außen aussieht.
Schritt 4: Alpine-Symbol und Reifensatz kontrollieren
Das Alpine-Symbol zeigt einen stilisierten Berg mit Schneeflocke. Für die Nutzung unter den in der StVO genannten winterlichen Straßenverhältnissen ist diese Kennzeichnung seit dem Ende der M+S-Übergangsfrist besonders wichtig. Eine reine M+S-Aufschrift genügt dafür nicht mehr.
Bildunterschrift: Vor dem Wechsel sollte auf jedem für den Winter vorgesehenen Reifen das Alpine-Symbol geprüft werden.
Kontrollieren Sie das Symbol an allen vier Reifen. Prüfen Sie außerdem, ob Dimension, Lastindex und Geschwindigkeitskategorie zum Fahrzeug und zur vorgesehenen Verwendung passen. Die zulässigen Reifengrößen finden sich unter anderem in der Zulassungsbescheinigung Teil I, im CoC-Dokument und in den Fahrzeugunterlagen.
Wie alt ist „zu alt“? Eine sinnvolle Entscheidung im Herbst 2026
Gerade bei Reifenalter kursieren einfache Aussagen wie „nach sechs Jahren immer weg“ oder „zehn Jahre sind problemlos“. Beides ist zu pauschal. Sinnvoller ist eine gestufte Entscheidung:
- Jünger und ausreichend Profil: Trotzdem auf Schäden und ungleichmäßigen Verschleiß prüfen.
- Ab etwa sechs Jahren: Besonders kritisch auf Verhärtung, Risse, schlechte Lagerung und nachlassenden Grip achten; bei Unsicherheit Fachbetrieb einbeziehen.
- Richtung acht Jahre: Die aktuelle ADAC-Empfehlung für Winterreifen spricht dafür, den Austausch nicht weiter hinauszuschieben.
- Sehr alte Reifen: Herstellerempfehlungen beachten; Michelin nennt zehn Jahre ab Herstellung als vorsorgliche Obergrenze, unabhängig vom sichtbaren Zustand.
Das Reifenalter ist also ein Warnsignal, kein alleiniger Qualitätsbeweis. Ein sechs Jahre alter, korrekt gelagerter Reifen kann optisch besser aussehen als ein jüngerer Reifen, der lange mit falschem Druck, großer Hitze oder Schäden gefahren wurde. Umgekehrt kann ein alter Reifen auch mit tiefem Profil an Elastizität verloren haben.
Typische Fehler vor dem Winterreifenwechsel
Nur die gesetzliche Grenze von 1,6 mm betrachten
Wer erst bei 1,6 mm reagiert, nutzt die rechtliche Untergrenze als Sicherheitsziel. Für Winterreifen ist das ungünstig, weil Schnee-, Nässe- und Aquaplaning-Eigenschaften schon deutlich vorher nachlassen können. Für den Start in die Wintersaison ist die 4-mm-Empfehlung die praktischere Orientierung.
Die DOT-Nummer mit einem Ablaufdatum verwechseln
Der DOT-Datencode sagt, wann der Reifen produziert wurde. Er sagt nicht automatisch, ob der Reifen heute sicher oder unsicher ist. Alter und Zustand müssen zusammen bewertet werden.
Nur eine Stelle messen
Ein einziger Messpunkt kann ungleichmäßigen Verschleiß verbergen. Prüfen Sie mehrere Rillen und mehrere Umfangspositionen.
Reine M+S-Reifen für ausreichend halten
Diese Annahme ist im Herbst 2026 überholt. Die deutsche Übergangsfrist endete am 30. September 2024. Für winterliche Wetterverhältnisse nach § 2 Abs. 3a StVO ist das Alpine-Symbol maßgeblich.
Schäden durch „noch genug Profil“ relativieren
Ein Reifen mit 6 mm Profil kann trotzdem ungeeignet sein, wenn Seitenwand oder Karkasse beschädigt sind. Sichtbare Schäden haben eine eigene Bedeutung und sollten nicht gegen gute Profiltiefe „aufgerechnet“ werden.
Wann sollte der Reifenwechsel geplant werden?
Eine starre gesetzliche „O-bis-O“-Regel gibt es nicht. Die Winterreifenpflicht ist in Deutschland wetterabhängig. Für die Planung ist es trotzdem sinnvoll, den Zustand der eingelagerten Winterräder früh im Herbst zu prüfen. So bleibt Zeit, Ersatz zu beschaffen oder einen Werkstatttermin zu vereinbaren, bevor der erste Wintereinbruch kommt.
Die oft genannte 7-Grad-Regel ist lediglich eine Orientierung und keine gesetzliche Temperaturgrenze. Entscheidend für die Pflicht sind die tatsächlichen winterlichen Straßenverhältnisse. Wer in höheren Lagen, nachts oder früh morgens unterwegs ist, plant meist früher als jemand, der ausschließlich im milden Stadtverkehr fährt.
Kurze Checkliste vor der Montage
- Alpine-Symbol auf allen vier Reifen vorhanden?
- Profiltiefe an mehreren Stellen gemessen?
- Niedrigster Wert möglichst mindestens 4 mm für die kommende Wintersaison?
- DOT-Datencode gelesen und Alter notiert?
- Lauffläche, Schultern und Seitenwände frei von Rissen, Beulen und tiefen Schnitten?
- Ungleichmäßiger Verschleiß ausgeschlossen oder fachlich geklärt?
- Reifengröße, Last- und Geschwindigkeitsindex passend zum Fahrzeug?
- Nach der Montage Reifendruck nach Fahrzeugherstellerangabe eingestellt?
Fazit: Vor dem Wechsel erst messen, dann montieren
Der wichtigste Unterschied im Herbst 2026 ist die Trennung zwischen gesetzlicher Mindestanforderung und sinnvoller Sicherheitsreserve. 1,6 mm sind die gesetzliche Mindestprofiltiefe, für Winterreifen empfiehlt der ADAC jedoch mindestens 4 mm. Beim Alter gibt es keine pauschale gesetzliche Pkw-Grenze; der DOT-Code hilft lediglich bei der Einordnung. Reifen ab etwa sechs Jahren sollten besonders kritisch geprüft werden, und die aktuelle ADAC-Empfehlung spricht dafür, Winterreifen nicht länger als ungefähr acht Jahre zu nutzen.
Wer zusätzlich Schäden kontrolliert und das Alpine-Symbol auf allen vier Reifen bestätigt, hat die wichtigsten Punkte vor dem Wechsel erledigt. Bleiben Zweifel bei Rissen, Beulen, ungewöhnlichem Verschleiß oder sehr alten Reifen, ist eine Prüfung im Fachbetrieb sinnvoller als eine weitere Saison auf Verdacht.